Alles, was Sie über die Instant-Payment-Verordnung wissen müssen

So mancher Zahlungsempfänger stellte sich in der Vergangenheit immer wieder eine Frage: Wann erscheint das Geld endlich auf dem Konto? Waren es früher sogar drei Bankarbeitstage, durfte eine Online-Überweisung zuletzt nur noch einen Bankarbeitstag dauern. Doch künftig wird es noch schneller gehen. Dafür sorgt die Instant Payment Verordnung (IPV) – oder auch Instant Payment Regulation (IPR) – der Europäischen Union.

(Lesedauer: 5 Minuten)

Was sind Instant Payments?

Mit der Instant Payment Verordnung erlebt der Zahlungsverkehr in Europa eine erhebliche Veränderung. Denn die Regelung verpflichtet alle Zahlungsdienstleister, Instant Payments – zu Deutsch: Echtzeitüberweisungen oder Sofortzahlungen – als Standard anzubieten. Daraus folgt, dass sie künftig sämtliche Geldtransfers zu jeder Zeit in Sekundenschnelle abwickeln können müssen. Veröffentlich wurde die IPV bereits am 19. März 2024 im Amtsblatt der EU. Im Gegensatz zu herkömmlichen Überweisungen, die Tage dauern können, bieten Instant Payments nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch Transparenz und Flexibilität. Für Kunden bedeutet dies, dass sie jederzeit und überall Geld senden und empfangen können, ohne lange Wartezeiten oder zusätzliche Kosten.

Welche Umsetzungsfristen gelten für die IPV?

Die Umsetzung der Instant Payments Verordnung erfolgt laut den aktuellen Vorgaben der Europäischen Kommission in mehreren Stufen. Kreditinstitute in der Eurozone sind verpflichtet, Überweisungen in Echtzeit innerhalb von sechs Monaten nach Inkrafttreten der Verordnung technisch zu ermöglichen. Zusätzlich müssen sie innerhalb eines Jahres sicherstellen, dass alle Kunden diese Funktionalität ohne zusätzliche Gebühren nutzen können. Für Institute außerhalb der Eurozone gelten angepasste Fristen, um den jeweiligen Voraussetzungen Rechnung zu tragen. Diese Fristen sollen gewährleisten, dass Instant Payments schnell und flächendeckend implementiert werden können.

Die Fristen für die Implementierung sind:

  • Empfang von Instant Payments: EU-Zahlungsdienstleister bis 9. Januar 2025, Nicht-EU-Zahlungsdienstleister bis 2027.
  • Senden von Instant Payments: EU-Zahlungsdienstleister bis 9. Oktober 2025, Nicht-EU-Zahlungsdienstleister bis 2027.

Was ist die Verification of Payee?

Die Verification of Payee (VoP) ist ein Mechanismus, der dazu dient, die Sicherheit und Genauigkeit bei Zahlungstransaktionen zu erhöhen. Bei diesem Verfahren wird der Name des Zahlungsempfängers überprüft, um sicherzustellen, dass er mit den Kontodaten übereinstimmt. Ziel ist es, Fehlüberweisungen und Betrugsversuche zu verhindern, indem der Absender vor der Ausführung der Zahlung informiert wird, falls Diskrepanzen zwischen den angegebenen Informationen und den tatsächlichen Kontodaten festgestellt werden. Diese zusätzliche Sicherheitsebene trägt dazu bei, Vertrauen in Zahlungssysteme zu schaffen und potenzielle Risiken für alle Beteiligten zu minimieren.

Ziele der Instant-Payment-Verordnung

Die EU möchte mit dieser Verordnung:

  • Die Verbreitung von Echtzeitzahlungen fördern: Derzeit bieten nicht alle Banken diesen Service an. Die Verordnung soll dies ändern und Echtzeitzahlungen zum Standard machen.
  • Gerechtigkeit und Kostentransparenz sicherstellen: Banken dürfen für Instant Payments keine übermäßigen Gebühren berechnen. Ziel ist es, Echtzeitzahlungen genauso erschwinglich wie reguläre Überweisungen zu machen.
  • Die finanzielle Integration verbessern: Instant Payments sollen nicht nur großen Unternehmen, sondern auch kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie Privatpersonen zugutekommen.
  • Wettbewerbsfähigkeit der EU stärken: Die EU möchte durch moderne Zahlungssysteme international wettbewerbsfähig bleiben.

Wie wird die Verordnung funktionieren?

  1. Pflicht zur Bereitstellung von Instant Payments
    Alle Banken innerhalb der EU werden gesetzlich verpflichtet, Echtzeitzahlungen anzubieten. Für Verbraucher bedeutet dies mehr Freiheit und eine flächendeckende Verfügbarkeit.
  2. Angemessene Gebühren
    Um sicherzustellen, dass Instant Payments für jeden zugänglich sind, müssen die Kosten für diese Transaktionen transparent und fair sein.
  3. Fokus auf Sicherheit
    Der Zahlungsverkehr wird mit strengen Vorschriften zur Betrugsprävention kombiniert. Banken und Finanzdienstleister müssen zusätzliche Mechanismen implementieren, um die Sicherheit digitaler Zahlungen zu gewährleisten.

Vorteile der Instant-Payment-Verordnung

Für Verbraucher:

  • Schnelligkeit
    Das lästige Warten auf Geldeingänge gehört der Vergangenheit an. Einkäufe können sofort bezahlt werden, und Geldüberweisungen sind in 10 Sekunden abgeschlossen.
  • Mehr Kontrolle über Finanzen
    Echtzeitzahlungen ermöglichen bessere Nachvollziehbarkeit und direkte Verfügung über Gelder.

Für Unternehmen:

  • Verbesserte Cashflow-Transparenz
    Sofortige Zahlungseingänge erleichtern die Liquiditätsplanung, was besonders für KMUs ein Vorteil ist.
  • Effizientere Handelstransaktionen
    Unternehmen können schneller auf Bestellungen reagieren und Lieferketten effizienter gestalten.

Herausforderungen und Kritikpunkte

Während die Instant-Payment-Verordnung vielfältige Vorteile bietet, gibt es auch Herausforderungen zu bewältigen:

  • Technische Infrastruktur
    Banken müssen erhebliche Investitionen in ihre IT-Systeme tätigen, um Instant Payments für alle bereitzustellen.
  • Sicherheitsbedenken
    Mit der Geschwindigkeit steigt das Risiko von Betrug, insbesondere durch social engineering. Banken müssen robuste Sicherheitsmaßnahmen implementieren, um dies einzudämmen.
  • Akzeptanz
    Einige Experten weisen darauf hin, dass viele Verbraucher und Unternehmen noch nicht ausreichend über Instant Payments informiert sind und daher zögerlich sein könnten, diese zu nutzen.

Fazit

Die Instant-Payment-Verordnung markiert einen bedeutenden Wandel im europäischen Finanzsektor. Sie wird den Zahlungsverkehr schneller, zugänglicher und effizienter gestalten. Verbraucher und Unternehmen profitieren gleichermaßen von dieser Revolution, sei es durch eine bessere Finanzkontrolle, verbesserte Liquidität oder durch höhere Transaktionsgeschwindigkeiten.

Jetzt liegt es an den Banken, diese Veränderungen effizient und sicher umzusetzen, um eine breite Akzeptanz zu fördern. Bleiben Sie gespannt, denn die nächsten Jahre versprechen, den Zahlungsverkehr in der EU grundlegend zu verändern.

Weiterführende Informationen zu dem Thema Instant-Payment-Verordnung erhalten Sie auf der Seite der WKO.

Silke Rader
Marketing